Josefine Mutzenbacher
Fiktive Memoiren aus der Wiener Halbwelt: Erotik, Armut und Doppelmoral im Fin de Siècle
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Zusatztext
Josefine Mutzenbacher, 1906 anonym erschienen und später Felix Salten zugeschrieben, entwirft die fiktiven Memoiren einer Wiener Prostituierten, die aus der Perspektive rückblickender Selbstbehauptung von Armut, Begehren und sozialer Gewalt im fin de siècle erzählt. Der Text verbindet derbe Umgangssprache, satirische Beobachtung und naturalistische Milieuschilderung; seine Skandalwirkung beruht weniger auf bloßer Obszönität als auf der schonungslosen Darstellung bürgerlicher Doppelmoral, ökonomischer Abhängigkeit und urbaner Sexualpolitik. Salten, 1869 in Pest geboren und in Wien aufgewachsen, gehörte zum Umfeld von Jung-Wien und kannte die Spannungen zwischen Kaffeehauskultur, Presse, Theater und Zensur. Obgleich seine Autorschaft nicht zweifelsfrei gesichert ist, passen die genaue Kenntnis des Wiener Idioms, die Aufmerksamkeit für soziale Ränder und das Interesse an maskierten Erzählstimmen zu seinem literarischen Horizont. Die Anonymität des Erstdrucks verweist zugleich auf die Risiken, die ein solcher Stoff im Habsburgerreich bedeutete. Empfohlen sei das Buch erwachsenen Leserinnen und Lesern, die historische Erotik nicht konsumistisch, sondern kritisch lesen möchten: als provokantes Dokument der Moderne, als Studie über Sprache und Macht und als Herausforderung an heutige Vorstellungen von Moral, Erinnerung und literarischer Zumutbarkeit.
Autorenportrait
Felix Salten (1869 - 1945) war ein österreichisch-ungarischer Schriftsteller und wurde durch seine Tiergeschichte "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde" weltbekannt. Salten war Redakteur der Wiener Allgemeinen Zeitung geworden und war dort als Theaterreferent tätig. 1901 hatte er das Jung-Wiener-Theater "Zum lieben Augustin" gegründet, angeregt durch er das Bühnenstück "Das Gemeine". Im Jahr 1902 wechselte Salten zu der Wiener Zeitung "Die Zeit". 1923 veröffentlichte er die beiden Tiergeschichten "Der Hund von Florenz" und "Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde", die beide später - ebenso wie "Die Jugend des Eichhörnchens Perri" von Walt Disney verfilmt wurden. Salten schrieb die Fortsetzung "Bambis Kinder", als er in der Schweiz im Exil lebte. Die Vorbilder für Geno und Gurri waren seine eigenen Kinder. Felix Salten starb am 8. Oktober 1945 in Zürich.
Weitere Details
Erschienen: 16.01.2023
Umfang: 120 S.
Sprache: Deutsch
Einband: KT
Format: 0.7 x 22.9 x 15.2 cm
ISBN/EAN: 9788027367481
Umbreit-Nr.: 8386761
