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Zwischen Grundgesetz und Scharia

Der lange Weg des Islam nach Deutschland
ISBN/EAN: 9783593509891
Umbreit-Nr.: 5311221

Sprache: Deutsch
Umfang: 310 S.
Format in cm: 2 x 21.3 x 14.1
Einband: Paperback

Erschienen am 08.11.2018
Auflage: 1/2018
€ 46,00
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  • Zusatztext
    • In Deutschland sind viele klischeehafte Vorstellungen über die Scharia verbreitet. Das gilt auch für die angebliche Unvereinbarkeit von Demokratie und Islam oder die vorgebliche Neigung des Islam zur Gewalt. Rudolf Steinberg unterzieht diese Annahmen einer kritischen Betrachtung und fragt nach der institutionellen Verortung eines deutschen Islam. Er führt in einer Tour d'Horizon informationsreich und kritisch durch die aktuellen juristischen und politischen Diskussionen. Das zwingt zu notwendigen Differenzierungen. Denn "die" Scharia gibt es ebenso wenig wie 'den' Islam.
  • Autorenportrait
    • Rudolf Steinberg ist emeritierter Professor für öffentliches Recht an der Universität Frankfurt am Main und Universitätspräsident a.D.
  • Leseprobe
    • I. Einleitung "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland." Christian Wulff wird mit keiner seiner Äußerungen als Bundespräsident mehr in Erinnerung bleiben als mit diesem Satz, den er bei seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 in Bremen geäußert und den auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederholt hat. Dabei verwundert die Aufmerksamkeit, die dieser Satz hervorgerufen hat. Denn bereits vier Jahre vorher hatte der damalige Innenminister Wolfgang Schäuble bei seiner Regierungserklärung zur Deutschen Islamkonferenz vor dem Deutschen Bundestag am 28. September 2006 noch schärfer formuliert: "Der Islam ist Teil Deutschlands und Teil Europas, er ist Teil unserer Gegenwart und er ist Teil unserer Zukunft." Der Satz des Bundespräsidenten wird von vielen immer wieder infrage gestellt. Kritisch positionierte sich auch der Leitantrag der CSU, "Politischer Islam", zum Parteitag im November 2016. Man müsse sich mit dem Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" auseinandersetzen, um einer Selbstrelativierung unserer eigenen Kultur und Werte entgegenzutreten: "Wenn damit nur gesagt werden soll, dass Muslime in Deutschland leben, ist er trivial und überflüssig. Wenn damit mehr gesagt werden soll, ist er falsch: Der Islam hat Deutschland weder historisch noch kulturell geprägt und ist auch nicht identitätsstiftend für unsere Gesellschaft. In diesem Sinn gehört der Islam nicht zu Deutschland. Stattdessen befördert der Satz die Selbstrelativierung unserer kulturellen Identität und kann als Einladung an den Politischen Islam missverstanden werden, in Deutschland unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit Dinge für sich zu beanspruchen, die nicht im Einklang mit unserer Verfassung und unserer Leitkultur stehen. In diesem Sinne ist der Satz >Der Islam gehört zu Deutschland< ebenso falsch wie gefährlich." Dennoch überrascht es ein wenig, dass der frisch ernannte Bundesinnenminister Horst Seehofer im März 2018 in der Bildzeitung betonte: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland", und sich damit in Widerspruch setzte zur Position der Kanzlerin und seiner beiden Vorgänger als Innenminister. 1. Muslime in Deutschland und "die Angst der Anderen" Bestimmte Tatsachen sind allerdings kaum zu bezweifeln. Nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge lebten in unserem Land Ende 2015 zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Menschen muslimischen Glaubens. Rund ein Viertel von ihnen sind als Flüchtlinge vor allem aus dem Nahen Osten erst seit 2011 nach Deutschland gekommen, sodass diese Gruppe mit 17,1 Prozent mittlerweile zu der zweitgrößten Herkunftsgruppe der Muslime geworden ist und der Anteil der Muslime mit türkischen Wurzeln auf rund die Hälfte zurückgegangen ist. Die Muslime in Deutschland machen insgesamt einen Bevölkerungsanteil von circa 5,4 bis 5,7 Prozent aus. Davon besitzen 50 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Diese Zahl wird weiter ansteigen: zum einen durch die weitere Zunahme von Zuwanderern mit muslimischer Religionszugehörigkeit aus arabischen und afrikanischen Ländern sowie dem Iran, aber auch aus den muslimischen Teilen des Balkans; zum anderen durch die höhere Geburtenrate der muslimischen Bevölkerung, die wohl vor allem ethnische und soziale Gründe hat. Gerade diese Zunahme des muslimischen Bevölkerungsteils in Deutschland erweckt erhebliche Ängste, die hier genauso wie in Frankreich durch rechtspopulistische und rechtsradikale Stimmen angeheizt werden. Gegen die Gleichsetzung von "geborenen" Muslimen mit beitragszahlenden Kirchenmitgliedern wendet sich der Religions- und Politikwissenschaftler Michael Blume. Er sieht einen "stillen Rückzug" vieler Muslime, die religiöse Praktiken wie die täglichen Gebete oder den Moscheebesuch aufgegeben hätten. Dieser Rückzug erfolge zum einen deshalb "still", weil er - anders als beim Kirchenaustritt in Deutschland - keine offene Willenserklärung erfordere, zum anderen, um die negativen Reaktionen zu vermeiden, die eine Abkehr vom Islam und erst rec